Gefahrenpotenziale von Lithium-Akku-Bränden
Akkubrände unterscheiden sich grundlegend von gewöhnlichen Bränden, sowohl im Entstehungsprozess als auch im Verhalten. Klassische Brände (Holz, Papier, etc.) benötigen Sauerstoff aus der Umgebung – Lithium-Ionen-Batterien hingegen erzeugen bei einer Entzündung enorme Hitze, brennbare Gase und eigenen Sauerstoff durch chemische Zersetzung im Inneren. Das Feuer erhält sich somit selbstständig. Zudem bauen überhitzte Zellen im Innern Druck auf, der angrenzende Zellen thermisch zerstören kann – eine Kettenreaktion, die oft explosionsartig verläuft (siehe «Was passiert beim Akku-Brand?»).
Gefahrenpotenziale: Was den von Akku-Brand von anderen Bränden unterscheidet
Die Konsequenz eines Akku-Brandes sind einzigartige Gefahrenpotenziale: Ein brennender Akku setzt häufig hochgiftige Rauchgase frei – darunter Flusssäure (HF), Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2), organische Lösungsmittel und andere giftige Stoffe. Besonders Flusssäure ist kritisch: Schon geringste Mengen dieses ätzenden Gases können für Menschen und Umwelt lebensgefährlich sein. In Kontakt mit Luftfeuchtigkeit bildet HF sofort Säure, die sogar Gummi und viele Kunststoffe durchdringt. Entsprechend müssen Einsatzkräfte spezielle Schutzausrüstung tragen, wenn Lithium-Ionen-Brände vermutet werden.
Zudem entsteht eine immense Hitze – je nach Akku-Grösse können Temperaturen von 500 °C bis über 1’000 °C auftreten. Diese Hitzeentwicklung kann umliegende Materialien entzünden und erschwert das Herankommen an den Brandherd. Ebenfalls charakteristisch ist Funkenflug und Stichflammenbildung: Kurzzeitige Flammenstösse können selbst in einiger Entfernung noch Schaden anrichten.
Eine weitere Gefahr ist die Explosion einzelner Zellen oder des gesamten Akkupacks. Im Verlauf eines Thermal Runaways können Zellen unter Druck explodieren, was schlagartig Flammen und Trümmer freisetzt. In grösseren Batterien (z.B. in E-Fahrzeugen oder stationären Speichern) sind mehrfache Explosionen möglich, wie oben beschrieben.
Besonders heimtückisch ist das Wiederentzündungsrisiko: Selbst wenn ein Akku-Brand scheinbar gelöscht wurde, kann sich der Akku Stunden, Tage oder sogar Wochen später erneut entzünden. In grösseren Akkueinheiten (E-Fahrzeuge, E-Bikes, Energiespeicher) ist eine späte Rückzündung keine Seltenheit. Im Inneren können weiterhin instabile chemische Prozesse ablaufen, die unter bestimmten Bedingungen ein neues Feuer auslösen. Lithium-Brände gelten daher als äusserst langwierig und schwierig endgültig zu beseitigen.
Diese Gefahren machen deutlich, dass nicht jeder Akku-Brand gleich ist. Je nach Grösse und Typ des Akkus variieren Energiegehalt und Brandverhalten erheblich.